Fiesta Mexicana

Die Aloes des Schauspielers Roger Kesten feiern eine autonome Fensterbrettparty


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Vor gut vier Jahren hat Roger Kesten den winzigen Ableger einer Aloe im Koffer von Südfrankreich nach Berlin gebracht. Aus dem ist eine Mutterpflanze gewachsen, und mittlerweile ist Roger‘s Fensterbrett voller kleiner Töpfe, in denen ihre Kinder gedeihen. Eigentlich hat der Schauspieler es gar nicht so mit Pflanzen, aber die Aloes haben es ihm angetan. Hier erzählt er seine Familiengeschichte...

Alles fing Ostern 2014 an. Der Aloe Topf im Garten meiner Mutter quoll über. Ich sagte ihr, Du musst da mal ein paar Ableger wegnehmen, sonst gehen die alle drauf!, und habe mir unten eine ganz kleine Aloe abgeschnitten, in Küchenpapier eingewickelt und im Koffer mitgenommen.

Später habe ich gelesen, dass man solche Ableger ein, zwei Tage trocknen lassen sollte, bevor man sie pflanzt. Das ist auf der Reise also ganz natürlich passiert. Ich habe sie Anfang Mai eingetopft, und im selben Jahr hat sie dann schon wieder Wurzeln geschlagen, ist gewachsen, und hat Kinder bekommen.

Die Ableger verschenke ich. Manchmal rufen die Beschenkten nach zwei Monaten an und sagen, meine Aloe ist gestorben. Ich frage dann, wie oft hast Du denn gegossen, und die Antwort war: einmal in der Woche. Das ist natürlich gut gemeint – aber die Aloes sind leider ertrunken. Das sind ja Wüstenpflanzen, die brauchen nicht viel Wasser. Dafür so viel Licht wie möglich, im Winter auch gerne viel Heizung, das kann für die richtig furztrocken sein.

Tips zum Gießen. So ins Bad verbannt, kommen Roger zwei der Pflanzen wie schlecht behandelte Stiefkinder vor

In Mexiko gehen die ja voll ab. Die werden da mannshoch. In Mitteleuropa, so traurig das ist, darf man sie nicht draußen halten. Hier ist es einfach zu kalt. Im Hochsommer ist es zwar warm genug aber viel zu feucht. Die werden dann so schwabbelig. Sie haben mehr Gel, werden aber auch dunkler und brauner, und es sieht aus als würden die schimmeln. Und das passiert auch schneller als man denkt.

Die Aloe ist sehr genügsam. In den Sommermonaten arbeite ich manchmal mit Kakteendünger. Letztes Jahr hatte eine tatsächlich eine Blüte. Das ist dann schon recht exotisch. Ansonsten gieße ich sie nur, und zwischen März und Mai ernte ich die Ableger. Hier auf dem Fensterbrett geht es ihnen ganz gut. Neulich wollte jemand gegenüber die Hauswand verputzen, da dachte ich schon, bitte nicht! Ich gucke da eigentlich gar nicht viel raus. Aber für die Aloen wäre es nicht schön gewesen.

Ein Blick aus dem Fenster: vielleicht geht es den Aloen auch deswegen so gut, weil der so schön ist. Links die gepunktete Variante. Rechts: Töpfe warten auf Kinder

Die mit den Punkten ist eine essbare Art, die kann man sich in den Joghurt schnibbeln. Ich hab‘ die mir mal gekauft, in einem kleinen Pflanzenladen in Kreuzberg. Die hat sich auch unglaublich vermehrt. Die von meiner Mutter ist dafür toll gegen Sonnenbrand, Hautausschläge und Verbrennungen. Bei so Hautsachen bin ich wirklich überzeugt von Aloe Vera.

Ich mag an den Pflanzen, dass sie so etwas Großzügiges haben, dadurch dass sie so buschig sind. Und saftig. Es ist keine elegante Blüte, die steht nicht für Poesie, wie andere Blüten. Die ist aber großzügig, ohne viel zu verlangen. So unprätentiös.

Man will den Pflanzen ja eine gewisse Freiheit und Autonomie geben, gerade Aloen. Und das ist ja auch das Nette an denen, die sind selbstständig. Die freuen sich, wenn ich mal komme, aber die vermissen mich auch nicht, wenn ich mal in Urlaub fahre. Das schätze ich an denen. Jetzt sollte ich mich vielleicht mal wieder kümmern. Im Frühjahr topfe ich die mal wieder um und nehme ein paar Ableger ab.

Roger mit zwei Kindern der Mutter, die er im Flieger aus Südfrankreich mitgebracht hat. Man sieht: sie hat schon wieder neue Ableger produziert.