Weihnachtsstern ist nicht gleich Schnuppe!

Breaking news: "Euphorbia pulcherrima" lebt auch nach Weihnachten noch


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Er muss nach den Festtagen nicht in den Müll wandern: ohne großen Aufwand kann der Weihnachtsstern zu einem langjährigen Mitglied Deiner Pflanzenfamilie werden. Und bringt obendrein eine unterhaltsame Geschichte mit.

Der Weihnachtsstern gehört hierzulande zum Christfest wie Lebkuchen und Glühwein. Für manch einen scheint er eine spießige Oma-Pflanze zu sein, und doch findet er pünktlich zur Adventszeit immer wieder seinen Weg in die deutschen Haushalte. Von wo er eigentlich losgezogen ist, ist dabei kaum einem bekannt.

Cuetlaxochitl!, riefen die Azteken die Pflanze an und sahen in ihr ein Symbol der Reinheit. Ursprünglich kommt der Weihnachtsstern nämlich aus dem mittelamerikanischen Raum. Dort wurde er als Nutz- und Heilpflanze kultiviert, unter anderem als Gegenmittel bei Fieber. Na klar, die Blätter färben sich rot, da leuchtet das ein. Experimentierfreudige nutzen den weißen, zähflüssigen Saft der Pflanze auch heutzutage, zum Beispiel zur Stimulation von Muttermilch, bei Abtreibungen, als Brechmittel oder auch zur Beinhaarentfernung. Noch mehr Kurioses: im 16. Jahrhundert begannen Franziskanermönche, missionarisch unterwegs, den Stern zur Weihnachtsdekoration zu bestimmen. Einer mexikanischen Legende nach sammelte ein Mädchen, das nichts zur Weihnachtskrippe bringen konnte, die noch grünen Pflanzen von der Straße und hinterließ sie als Geschenk. Am Weihnachtsabend, zur Geburt des Jesuskindes, färbten sich dann die oberen Blätter der Pflanze leuchtend rot. Zumindest werden die Mönche das so gesehen haben.

Ein Weihnachtsstern nebst Bougainvillea im heimischen Mexiko. Dieses Exemplar ist knappe zwei Meter groß. Foto: Kate Kubel

Auf Englisch heißt der Weihnachtsstern Poinsettia, nach dem ersten amerikanischen Botschafter in Mexiko, Joel Roberts Poinsett. Der führte ihn Anfang des 19. Jahrhunderts in den USA ein. Am 12. Dezember feiert Mexiko den Beginn der Weihnachtszeit mit dem „Poinsettia Day“, zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe, der seit 1828 per Weihnachtstern gehuldigt wird. Siehe da, die Vereinigten Staaten haben den Feiertag aus Begeisterungsfähigkeit glatt übernommen, und in Kalifornien gleich einen Ort nach Guadalupe benannt (auch ohne Jungfrau). Genau in dieser Region verhalf dann der leidenschaftliche Einsatz eines Deutschen, des Hobby-Botanikers Paul Ecke, dem Weihnachtsstern vor ca. hundert Jahren zu seinem wahren Ruhm. Vielleicht war Ecke die Landschaft seines Einwanderungsziels zu trocken und stachelig, jedenfalls bombardierte er Fernsehstationen und Zeitschriftenredaktionen in Hollywood mit Paketen von Weihnachtsternen, etablierte den Deko-star und ein botanisches Imperium obendrein.

Nach Europa war der Weihnachtsstern über Alexander von Humboldt gekommen, der ihn 1804 von einer Mexikoreise mitbrachte. Erst hier erfolgte die Züchtung zur heute bekannten Zimmerpflanze. Der dankbare Markt nimmt sich auch Auswüchsen in verschiedenen Blattfarben an: pink-weiß, gelb, mit lila Farbe bespritzt.

 

In den USA wie in Deutschland ist der Weihnachtsstern die meistverkaufte Topfpflanze, hierzulande waren es laut des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr sagenhafte 17 Millionen Stück. Und das, obwohl sie fast ausschließlich zur Weihnachtszeit verkauft werden. Damit ist der Weihnachtsstern die beliebteste Zimmerpflanze der Deutschen. Und die kurzlebigste. Denn nach den Festtagen landet sie in der Regel im Müll, Jungfrau und Christkind hin oder her. Vielleicht, weil das Pflanzenverhalten trügt. Oft verlieren die Sterne bereits nach Tagen erste Blätter und scheinen dahinzuschwinden. Da mag sich der eine oder andere denken, der Wegführer hätte seinen Dienst ja getan. Vielleicht handeln wir auch so, weil wir nach den Feiertagen genauso übersättigt sind wie der Markt, und auch ohne Saugen am milchigen Stengel der Pflanze beim dauerhaften Anblick der letzten lila Sprenkel leichte Übelkeit aufkommt. Was viele nicht wissen: in der wilden Natur wächst und entfaltet sich der Weihnachtsstern zum prächtigen, mehrjährigen Strauch, der bis zu vier Meter groß werden kann. Und alle Jahre wieder rot wird – auch in den eigenen vier Wänden. Rezept anbei.

Wie man Sterne vorm vorzeitigen Verglühen bewahrt

Einkauf:

Der Weihnachtsstern mag es mexikanisch warm und reagiert höchst empfindlich auf Kälte. Vorweihnachtliche Verkaufsstände im Freien könnten ihm schon geschadet haben. Beim Transport sollte die Pflanze in Papier eingewickelt werden.

Standort:

Der Weihnachtsstern hat es gerne hell und warm aber ohne direkte Sonne. Auf starke Zugluft reagiert er mit Blattverlust.

Richtig gießen und düngen:

Der Weihnachtsstern verträgt weder Staunässe, noch einen trockenen Wurzelballen. Er sollte regelmäßig in Maßen mit lauwarmen Wasser gegossen, oder in einen Wassereimer getaucht werden. Er mag auch eine hohe Luftfeuchtigkeit. Also gerne in geheizten Räumen häufig mit Wasser besprühen. Man kann den Topf auch in eine mit Kiesel und Wasser gefüllte Schale stellen. Im Winter kann er alle zwei Wochen und im Sommer wöchentlich gedüngt werden.

 

Umtopfen im Frühjahr:

Ein glücklicher Weihnachtsstern ist immergrün, und verliert seine roten Blätter nicht um Weihnachten, sondern im Frühjahr. Er kann dann umgetopft werden. Auch das Zurückschneiden ist ab Mai eine gute Idee: das regt die Verzweigung an.

Alle Jahre wieder:

Die roten Blätter der Adventszeit kommen dadurch zustande, dass fleißige Großhändler die Sterne ab Oktober immer wieder mit Folie abdecken. Wie bitte? Ja. Weihnachtssterne gehören zu den sogenannten Kurztagpflanzen; Sorten, die nur dann Blüten bilden, wenn sie wie an ihrem äquatorialen Ursprungsort ca 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit ausgesetzt sind. Das ist es, was der Großhändler simuliert. Möchte man also, dass der Weihnachtsstern pünktlich zur Adventszeit wieder rote Blätter bekommt und blüht, muss man es ihm gleichtun, spätestens ab Mitte September. Nach ca. sechs Wochen bildet er wieder die roten Hochblätter – die übrigens keine Blütenblätter sind. Schon geringe Mengen Kunstlicht verwirren den Stern. Also ab unter die Folie oder in den Schrank! Es ist wie mit Weihnachten: Warten lohnt sich.