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Ein Geldbaum begleitet Generationen (German only)

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Jutta Loch ist Religionslehrerin und Schulseelsorgerin. In ihrer freien Zeit macht sie gerne Kunst – vor allem Collagen. Die Tür zu ihrer Wohnung in Berlin-Charlottenburg ist wie der Zugang zu einer anderen Welt, in der Gedanken fließen, Farben explodieren und Pflanzen frei wachsen dürfen.

Zu der Serie:

Viele Pflanzen können Hunderte, sogar Tausende von Jahren alt werden. Bei guter Pflege können uns selbst Zimmerpflanzen überleben. In dieser Serie erzählen Menschen von ihren älteren Hausbewohnern.

Als meine Oma gestorben ist, war ich siebenunddreißig Jahre alt. Vierundzwanzig Jahre habe ich den Geldbaum also! Und meine Oma hatte ihn ja auch schon vorher, ich weiß aber nicht wie lange. Es gab viele Pflanzen in ihrer Wohnung, um die sie sich liebevoll gekümmert hat. Nach ihrem Tod kamen die Verwandten und nahmen sich, was sie gerne haben wollten. Ich bekam einige schöne Erinnerungen, wie den Geldbaum und eine Teekanne.

Meine Oma hat in Neumünster gelebt, war aber Dänin. Sie und ihre Schwester haben uns emotional und ästhetisch geprägt. Das Interesse an Pflanzen kommt durch die Schwester, die Kunstmalerin war und auch Pflanzen gemalt hat. Sie konnte auch wunderschöne Blumensträuße binden! Wenn die Blumen schon etwas verwelkt waren und erste Blätter abfielen, fand sie das trotzdem schön. Dieses sinnliche und ästhetische Verständnis in der Familie kommt von der dänischen Seite.

Ich habe einen Hang für gefundene Pflanzen, ich kaufe mir selten neue. Neulich im Laden standen welche für fünfzig Cent, die keiner wollte. Die habe ich dann mitgenommen. Mich interessiert nicht so sehr, ob es wissenschaftlich begründet ist oder nicht, dass Pflanzen Gefühle haben können. Die leben mit uns, irgendeine Verbindung wird’s schon geben. Es gibt eine traurige Geschichte von dem Geldbaum: Ich war verreist. Der Baum bekam Übergewicht in meiner Abwesenheit und ist umgekippt. Er lag auf dem Boden, als ich zurückkam. Gedüngt habe ich ihn nicht viel. Meistens benutze ich nur Tee oder Kaffeesatz.

Ich rede nicht mit meinen Pflanzen, aber ich denke mit ihnen.

Für mich verkörpert der Geldbaum meine Oma, genauso wie die Teekanne. Das sind Sachen, die ich von ihr habe. Ich mache mir das nicht ständig bewusst. Aber das Gefühl, dass die Pflanze lebt und die Teekanne noch nicht kaputtgegangen ist, freut mich. Wenn der Geldbaum sprechen könnte, würde meine Oma durch ihn zu mir reden und sagen: ich steh dir bei.

Jutta Loch führt durch ihre Wohnung

Buchgestaltung: Stefan Tietz

Der Geldbaum – ein Symbol für Glück und Reichtum

Der Geldbaum (Crassula ovata), auch Pfennigbaum oder Glücksbaum genannt, erfüllt möglicherweise nicht immer den Wunsch nach Reichtum. Er stellt aber durch seinen schönen strauchartigen Wuchs, der typischerweise eine Höhe zwischen 50 und 130 Zentimetern erreichen kann und seine immergrünen glänzenden Blätter eine Bereicherung für jeden Wohnraum dar. Im Winter bildet der Geldbaum schöne sternförmige, rosafarbene bis weiße Blüten. Generell ist die aus Südafrika stammende Pflanze der artenreichen Familie der Dickblattgewächse sehr robust, pflegeleicht und nicht anfällig für Krankheiten.

Standort:
warmer, heller Standort, am besten am Fenster. Der Geldbaum braucht 18 bis 24 Grad im Sommer. Im Winter reichen 10 Grad, da es ohne Temperaturwechsel nicht zur Blüte kommt.

Wässern & Düngen:
Mäßig gießen und obere Erdschicht austrocknen lassen. Im Winter ist der Geldbaum mit wenig Wasser glücklich. Zwischen April und September einmal pro Monat mit Kakteendünger düngen.

Sonstige Pflege:
Alte, vertrocknete Blätter abzupfen. Der Wuchs nimmt mit dem Alter ab, durch jährliches Schneiden kann die Pflanze in Form gehalten werden. Der Geldbaum ist kopflastig und braucht einen schweren Topf.

Text: vk@fyta
Fotos: vk@fyta